Madeira


 

Letzter Gruß: Tarifa querab
Bei Ostwind und bis 8.7 Knoten Fahrt über Grund schafft TRUANT die Passage durch die Strasse von Gibraltar in einer Tide. Dann verschwindet das europäische Festland hinter dem Horizont und ein paar Stunden später auch die afrikanische Küste. Nachts ist es kühl und wir sichten nur noch ein bis zwei Schiffe täglich.
 
 

Blauwasser-Stimmung
Der immer schwächer werdende Wind dreht auf WNW und TRUANT schleicht an aufgeschreckten Schildkröten vorbei. Hellblaues Wasser bei mehr als 4000 m Tiefe, nachts die Milchstrasse wie ein weißes Bettlaken und zwei Gäste - Schwalbe und Taube - begeistern uns. Auch wenn der Smutje nachts mal aus der Koje fällt, tagsüber gibt es tapfer geregelte warme Mahlzeiten.
 
 

Terra! Terra!
Ein UKW-Musiksender, dann erste Landsicht, Mobilfunk und schließlich auch auf dem Radar - in dieser Reihenfolge meldet sich die Zivilisation nach 7 Tagen und 600 Meilen zurück. Bei absoluter Windstille am letzten Tag schmeissen wir, das kühle Bier zum Greifen nahe, doch ungeduldig den Motor an.
 
 

Porto Santo oder Heiligenhafen des Südens
Kurz nach Mitternacht fällt der Anker hinter dem Ostkap von Porto Santo auf 5 m Tiefe am Strand nahe der Hafeneinfahrt. Wetter ist ruhig und der schwere Stockanker hält - also springen wir beide nach dem Begrüßungsbierchen platt in die Koje. Schluss mit abwechselnder Nachtwache. Am nächsten Morgen geht es in die geschützte Marina.
 
 

Good Shelter
Neben den Fischerbooten liegen nur wenige Segelschiffe im Porto von Porto Santo. Den Tiedenhub von über 2 m spürt man an den Schwimmpontons nicht und das Hafenpersonal ist freundlich. Diese Marina und auch der Ankerplatz hinter der Mole am Strand werden im RCC Pilot gegenüber den Plätzen auf der Hauptinsel Madeira als besser geschützt, schwellarm und mit sicherem Ankergrund versehen empfohlen. Stimmt.
 
 

Gut feiern
können die Madeirenser. Sao Joao, Sao Pedro, Entdeckung Madeiras, Aufnahme in die EU-Region, EM-Viertel- und Halbfinale; beim Finale haben wir unsere klammheimliche Freude ob des Sieges von König Otto von Griechenland diskret verborgen. Das Seefahrervolk hier spricht etwa einen flämisch-russischen Dialekt vorwiegend auf Basis des spanischen Grundwortschatzes versehen mit reichlichen Nasal- und Zischlauten - genannt "portugiesisch".
 
 

Rund Porto Santo mit Roller
Nach einigen Tagen Fußmärschen bei brennender Sonne beschließen wir die weitere Erkundung der Insel mit dem Roller zu verkürzen. Nachdem der Sozius seine (ihre) hartnäckigen Bemühungen zur Erzwingung eines aufrichtenden Momentes in den Kurven aufgegeben hat, verlaufen die weiteren Fahrten sehr harmonisch.
 
 

Pico Bello
sollte man ihn nennen und nicht trocken Pico do Castelo. Ein schöner Aussichtspunkt auf 437 m über dem Hauptort Vila Baleira. Ca. 5000 Einwohner teilen sich die Insel in der Hauptsaison Juli und August mit 25000 Touristen. Es gibt einen eigenen großen Flugplatz und eine flotte Fährverbindung von 2 Stunden zur Hauptinsel Madeira. Kolumbus hat hier die Tochter des Madeira-Entdeckers geehelicht und einige Jahre auch hier gelebt, bevor seine Entdeckungsreisen begannen.

 

Vamoschhhh a la Praia
Das hat Porto Santo der Hauptinsel voraus: den einzigen Sandstrand des Archipels und das 8 km lang. Kristallklares türkises Wasser, Dünen, Palmen und was man sonst noch für das Urlaubsfoto braucht. 
 
 

Sonst eher trocken
Einige ältere Einwohner erinnern sich noch an den letzten Regen und mit Süßwassergewinnung aus dem Meer kommt man so gerade über die Runden. Mit Aufforstungen wurde begonnen.

 

Ein beinharter Wikinger
Fischer und Pferdezüchter Eric allein mit seiner Nauticat auf dem Rückweg von Marokko und den Kanaren nach Island. Motor und Rudersteuerung wollten nicht mehr, Beiboot und Brille kaputt und seit sieben Tagen wegen der Hitze nichts mehr gegessen. Eine Nacht in Porto Santos Krankenhaus, Sondereinsätze von Motorspezialist Luic und unsere Vitaminstöße bringen ihn wieder auf die Beine.
 
 

Madeiras Hauptstadt Funchal
Links im Bild die dümpelnden Ankerlieger, rechts der enge Sportboothafen. Wir sind mit der Fähre rübergekommen und haben für eine Woche den Roller gegen ein Auto getauscht. Spontane Übernachtungsmöglichkeiten in kleineren Hotels gibt's überall auf der Insel um die 35 bis 50 €.
 
 

Camara de Lobos
hat einen schönen geschützten Naturhafen, aber der ist mit Fischerbooten zugenagelt. Ein armer Ort - den Walfang hat man ihnen verboten und den Tourismus wollen sie nicht.
 
 

Die Blumeninsel
wird Madeira genannt, seit es konkurrenzmäßig mit dem Zuckerrohr und den Bananen nicht mehr lief. Das Straßennetz  - obwohl in bestem Zustand und man überall hin kommt - wird derzeit mit EU-Mitteln um ein redundantes Tunnelnetz erweitert. So wird der ortsunkundige Besucher die kühnen Serpentinen an senkrechten Wänden und die alten Tunnel - grob in den Fels geschlagen und manchmal wie Autowaschstraßen von Wasserfällen beträufelt - nicht mehr kennen lernen.
 
 


Blick auf eine typische Ansiedlung mit kleinen weißen Häusern und roten Dächern, obwohl halbwegs ebene Grundstücke wie hier die absolute Ausnahme sind.
 
 

Curral das Freiras
Dieses hübsch gelegene Dorf auf 660 m hat inzwischen auch Tunnelanschluss. Wer von 400 m höher draufschauen will, nimmt die alte Serpentinenstraße (rechts im Bild) nach Eira do Serrado, Übernachtungsmöglichkeit in einem kleinen 4-Sterne-Hotel und gutes Restaurant oben inbegriffen.
 
 

Lichtspiele
an der rauhen Nordseite. Bei der vorherrschenden Wetterlage aus Nord bilden sich hier Wolken an den bis zu 1800 m hohen Bergen. Die alte Küstenstraße wird hoffentlich unter Denkmalschutz gestellt, wenn die neuen Tunnel eingeweiht sind.
 
 

Picos über den Wolken
sehen friesische Seefahrer ja eher selten. Solche Blicke vom sicheren Hochplateau aus haben uns entsprechend schwer beeindruckt.
 
 
 

Wo sind die Kanaren?
Ein richtiger Seemann nutzt natürlich jede sich bietende Navigationshilfe.
 
 

Nicht übertrieben
So und manchmal auch noch im 1. Gang geht es über viele Straßen. Nur nicht zu lange an einer Stelle stehen bleiben! (wegen der Meteoriten)
 
 

Ganz besonders schwer beeindruckt
hat uns die Schwindelfreiheit dieser Familie. Vater und Sohn reparieren das Dach und Töchterchen hantiert auf der Leiter einen Meter neben dem Balkongeländer, während Mutter mit unerschütterlichem Gottvertrauen fleißig strickt. Hinter dem Haus und dem Balkongeländer geht es senkrecht 200 m in die Tiefe.
 
 

Muss auch sein
Geburtstagsdinner mit Vinho Verde und Abschied von Madeira im Castel (Militärmuseum) von Funchal.
 
 

Urlaubs-Tipp
1 Woche Madeira in kleinen Hotels und Mietauto und
1 Woche Badeurlaub auf Porto Santo