Neukaledonien


Franzoesisches Ueberseeterritorium

Wie Schottland ohne Frost und Regen
dachte sich Cook, als er 1774 als erster Europaeer diese Inseln sah und ihnen den Namen New Caledonia gab. Die Hauptinsel ist 400 km lang und mit ihrem umschliessenden Riff ein Traum-Segelrevier, insbesondere die suedliche und noerdliche Lagune sowie die Loyalty Islands. Die Ureinwohner nennen sich Kanaken und leben seit Eineinhalbjahrhunderten der Unterdrueckung in angespanntem Verhaeltnis mit ihren franzoesischen Besatzern.

 

Nix mit Egalité, Liberté, Fraternité
Ca. 200.000 Menschen leben in Neukaledonien, davon 70 % Kanaken, der Rest Asiaten und Franzosen. Frankreich unterbindet jegliche Unabhaengigkeitsbestrebungen brutal und laesst seit Chirac neue Wortfuehrer der Ureinwohner regelmaessig durch ihre stationierten Elitetruppen wie Tiere abschiessen. Strohpuppen-Haeuptlinge in den Kanakendoerfern werden aus der franzoesischen Staatskasse bezahlt. Die Welt und die UNO schauen zu.

 

Lifou, Loyalty Islands
Auf dem Seeweg zur Hauptstadt Noumea duerfen Segler hier neuerdings offiziell einen Zwischenstop einlegen. Die Kanaken (oben) laechelten erst, nachdem wir versichert haben, keine Franzosen zu sein. Unten im Bild links eine traditionelle Haeuptlingshuette, rechts unsere ueberraschend moderne Marina in Port de We, Baie de Chateaubriand.

 

Blutende Berge
Das ist das typische Landschaftsbild von Grand Terre: ueberall nur entwaldete und vom Erzabbau zerstoerte Berge und Huegel. Die reichen Vorkommen an Nickel, Cobalt und Chrom sind fuer die sogenannte zivilisierte Welt schliesslich wichtiger als laecherliche Menschenrechte und Naturschutz, oder? Fische duerfen wegen des Erzschlamm-Gifts nicht exportiert werden und die Menschen atmen den beim Erzabbau freiwerdenden Asbest ein.

 

Hauptstadt Noumea
Sorry lieber Leser, auch von der "schoensten Stadt mit franzoesischem Flair" im Pazifik waren wir masslos enttaeuscht.
Kurzum: dreckig, unzaehlige Baustellen, Obdachlose an jeder Ecke (gestrandete Kanaken), qualmende Erzwerke und ueberfuellte Marinas.

 

Hoffnung fuer die naechste Generation?
Ab 2013 soll es wieder "Gespraeche" zwischen Franzosen und Kanaken ueber den Weg in die Unabhaengigkeit geben. Die Hoffnung, eines Tages in ihrem Paradies selbst zu bestimmen ist gering, denn juengst wurden neue interessante Oel- und Gasvorkommen vor der Kueste entdeckt und die Zuwanderung aus Frankreich haelt auch an.

 

Wir wollten nur noch weg...
koennte man sagen, denn ueberstuerzt und ohne Blick auf die Wettervorhersage passiert eben das: Totalflaute mitten zwischen Neukaledonien und Australien - und das vier Tage und Naechte. Zeit, um noch einmal von den schoeneren Stationen auf Samoa und Vanuatu zu traeumen, und den kristallklaren Nachthimmel zu studieren.

 

Halbe Fahrt rueckwaerts
Zweifelnder Blick auf den Kartenplotter: statt Sollkurs westwaerts (gepunktete Linie) duempelt TRUANT mit dem Ozeanstrom langsam wieder rueckwaerts. Motoren ist zu frueh, denn noch liegen 400 Meilen vor uns und schliesslich sind wir auf einem Segelboot.

 

TRUANT daheim
Ueber die Toppen geflaggt (wenn auch nicht ganz vorschriftsmaessig) liegt TRUANT an der Pier in Bundaberg. Am 19. April 1998 begann sie hier ihre Weltumsegelung und am 10. November 2008 schloss sich der Kreis. Zwei Crews hat sie sicher ueber alle Ozeane getragen. Das ist doch ein Grund zum Feiern!

 

Emotional
Die Salzkrusten an Deck sind noch nicht abgespuehlt, da stehen John und Prue, die TRUANT von Australien bis nach Spanien gesegelt hatten, geruehrt und mit der Champagnerflasche an der Pier. Beide wie auch Bordhund Tilki (unten links), den sie in der Tuerkei aufgegabelt hatten, fuehlen sich zu Hause. Der alte Skipper gibt dem neuen einen Crash-Kurs in den sehr speziellen australischen Humor.

 

Australien wir kommen
Nach kurzer Pause in Deutschland werden wir uns Terra Australis Incognita vornehmen und an dieser Stelle weiter berichten. Schoene Feiertage und guten Rutsch allen Freunden und Verwandten und den unbekannten Lesern, die nette emails schrieben!

 

Flora und Fauna
Bei so viel Wasser im Pazifik hier in der Abschluss-Rubrik wieder hauptsaechlich das: von oben links nach unten rechts 70 cm langer Napoleonfisch in Neukaledonien, 5 cm lange Portugiesische Galeere mit hochgiftigen Tentakeln unterwegs, blauer Seestern flirtet mit Seegurke und erstes Kaenguruh als Wegelagerer.

 

PS: Marita weigert sich, einen Bericht ueber Neukaledonien zu schreiben...